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Gebrauchsanleitung für
PROSORB Perlen und Kassetten, Stand: 1/04 |
Informationen

Das Hauptanwendungsgebiet von PROSORB liegt
darin, in Vitrinen ein vom mittleren Raumklima abweichendes
Kleinklima herzustellen, wie z.B. wenn in einem feuchten Raum
eine Vitrine bei 45 ±5% rF gehalten werden soll oder
eine Vitrine in einem trockenen Raum bei 55 ±5% rF.
Wie aus der Tabelle in den PROSORB Produktinformationen
hervorgeht, sind herkömmliche Silikagele nur für
niedrige (bis ca. 40% rF) oder sehr hohe Feuchtigkeitswerte
(über 80% rF) wirksam einzusetzen. In dem für Kunstwerke
besonders interessanten Bereich zwischen 40% rF und 60% rF
ist PROSORB anderen Silikagelen überlegen und besitzt
eine weitaus höhere Wirksamkeit.
PROSORB ist in der Lage, die Luftfeuchtigkeit
auch bei schwankenden Temperaturen weitgehend konstant zu
halten.Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Vitrinenluft
und PROSORB dieselbe Temperatur aufweisen. Bei einer Temperaturschwankung
von 10°C ist eine Schwankung der relativen Luftfeuchtigkeit
von 1-2% rF zu erwarten. Nach Möglichkeit sollte jedoch
bei Kunstwerken aus hygroskopischen Materialien (Holz, Textil,
bemaltes Metall...) auch die Temperatur konstant bleiben(1,3).
Dosierung und Platzierung
Die auf der Seite "PROSORB Information"
genannten Angaben der Mindestmengen pro m³ stellen die
Menge PROSORB dar, die in einer einigermaßen dichten
Vitrine bei mittleren Temperaturschwankungen notwendig ist,
um die Luftfeuchtigkeit einige Zeit in engen Grenzen konstant
zu halten.
Damit PROSORB seine Wirkung entfalten kann,
ist darauf zu achten, dass die Vitrinenluft möglichst
ungehinderten Zugang zu dem PROSORB Material bekommt. Ggf.
ist die Oberfläche des PROSORB Materials größer
zu wählen, indem Sie z.B. statt einer großen Kassette
zwei kleine Kassetten einsetzen oder indem Sie flache Schalen
mit losem PROSORB verwenden. Soll der Feuchtigkeitsaustausch
zwischen PROSORB und Vitrinenluft durch Schlitze im Vitrinenboden
geschehen, sollten eher wenige breitere (möglichst >2
cm) als viele schmale Schlitze gewählt werden(4).
Soll das Vitrinenklima wesentlich und über
längere Zeit vom mittleren Umgebungsklima abweichen,
z.B. wenn in einem feuchten Keller ein trockenes Vitrinenklima
erzeugt werden soll, wird ggf. deutlich mehr PROSORB benötigt.
Enthält die Vitrine eine große Menge hygroskopischen
Materials wie z.B. Innenkonstruktionen aus Holz, muss die
Menge PROSORB noch höher gewählt oder müssen
die hygroskopischen Vitrineneinbauten vor Einbringen des Kunstwerks
auf den richtigen rF-Wert gebracht werden.
Die Speicherkapazität von Holz darf
nicht unterschätzt werden. Im Bereich zwischen 40 - 60%
rF besitzen 6 kg Holz eine vergleichbare Pufferkapazität
wie 1 kg PROSORB. Vitrineneinbauten, die zuvor sehr feucht
oder sehr trocken gelagert waren, können das Vitrineklima
daher stark beeinflussen. Allerdings ist die Feuchtigkeitsaufnahme
/-abgabe eines Holzbretts sehr viel langsamer als bei PROSORB.
Bei einem unlackierten, 20 cm dicken Holzbrett dauert es etwa
50 Tage, bis sich das Holzbrett auch nur zur Hälfte auf
ein neues Umgebungsklima eingestellt hat (2). Es ist daher
in der Praxis oft unmöglich, Vitrineneinbauten aus Holz
vor einer Ausstellung auf das richtige Klima einzustellen.
Um den Effekt von Holzeinbauten zu kompensieren, müssen
darum ggf. größere Mengen PROSORB eingesetzt werden.
Einbauten aus Metall, Glas oder Acryl wirken sich dagegen
nicht auf das Vitrinenklima aus. Manche Kunden verwenden bis
zu 8 kg PROSORB pro m³. Am besten probieren Sie die Klimatisierung
der Vitrine vor dem Einbringen der Kunstwerke aus!
Mengenberechnung:
Je mehr PROSORB eingesetzt wird, desto
geringer sind die Schwankungen und desto größer
ist der Wartungsabstand. Der Wartungsabstand hängt darüber
hinaus von der Dichtigkeit der Vitrine, vom Feuchtigkeitsgefälle
zwischen Vitrinen- und Umgebungsluft und schließlich
von der akzeptablen Toleranzspanne ab. Unter Kenntnis der
Vitrinendichtigkeit (vgl. 4, bei guten Klimavitrinen weniger
als 1 Luftaustausch in 10 Tagen, fragen Sie Ihren Vitrinenhersteller)
und der Klimabedingungen lässt sich der Wartungsabstand
in etwa berechnen, doch muss diese Schätzung in jedem
Fall durch Messungen mit einem Hygrometer überprüft
werden.
Beispiel:
Eine Vitrine von 1m³, aufgestellt in einem Raum mit 70%
rF und 20°C soll mit 1 kg PROSORB (vorkonditioniert auf
50% rF) auf 55 ±5% rF klimatisiert werden, bei einer
Vitrinendichtigkeit von 1 Luftaustausch in 10 Tagen:
Bei 20°C enthält 1m³ bei
100% rF ca. 17,3 g Wasserdampf. Um die Vitrinenluft von 70%
rF auf 55% rF zu bringen, müssen der Luft daher pro Luftaustausch
(0,70 - 0,55) x 17,3 g = 0,15 x 17,3 = 2,6 g Wasser entzogen
werden. Pro Tag muss das PROSORB im Durchschnitt also 0,26
g Wasser aus der Vitrinenluft adsorbieren.
1 kg PROSORB kann zwischen 50% rF und
60% rF ca. 80 g Wasser aufnehmen. Die Menge würde somit
ausreichen, um die Vitrine 80 g : 0,26 g/Tag - 10 Tage = ca.
307 Tage unterhalb von 60% rF zu halten. (Die 10 Tage müssen
abgezogen werden, da beim Schließen der Vitrine zunächst
2,6 g Wasserdampf adsorbiert werden).
Undichte Vitrinen können evtl. durch
Abdichten der Fugen nachgebessert werden. Bestehen Vitrinenaußenwände
aus dampfdurchlässigen Materialien wie z.B. Holz, kann
versucht werden, diese durch eine Innenkaschierung (z.B. mit
PE-Folie, Alu-Verbundfolie...) dampfundurchlässiger zu
machen. Auch Acrylglas ist vergleichsweise dampfdurchlässig(4).
Einbringen von PROSORB in Vitrinen:
Planen Sie die Vitrinenausführung
so, dass Sie die PROSORB - Materialien einbringen und ggf.
austauschen können, ohne die Kunstwerke bewegen zu müssen.
Schubladen sind hierfür ideal. Bisweilen lässt sich
das PROSORB-Material auch gut in Vitrineneinbauten verstecken.
Wird loses Granulat verwendet, bietet sich Aluminium, Edelstahl,
PE, PP und Glas als Wannenmaterial an. Bitte beachten Sie,
dass PROSORB nicht in direkten Kontakt mit Eisen und Zink
gebracht werden soll.
Konditionierung: Messen und Einstellen:
PROSORB wird vorkonditioniert auf Werte
zwischen 40 - 60 % rF bei 20 °C mit einer Genauigkeit
von <± 2% rF geliefert. Die Werte werden vor Versendung
mit einem Präzisionshygrometer Testo 645 überprüft,
wobei jede Charge zumindest ein Mal gemessen wird. Damit durch
evtl. dennoch fehlerhafte Ware keine Schäden an Kunstwerken
entstehen können, sollten Sie den Konditionierungswert
des PROSORB-Materials (auch von Kassetten) vor Gebrauch prüfen
(s.u.).
Zum Messen
des Konditionierungswerts stellen
Sie am besten das PROSORB-Material zusammen mit einem genauen
Hygrometer in einem Folienbeutel luftdicht verpackt in einen
Raum mit möglichst konstanter Temperatur. Nach 2 Stunden
kann der Messwert abgelesen werden. Als Messgerät eignet
sich z.B. der Testo 645 (Genauigkeit: ±1% rF, siehe
Bild rechts).
Bei losen PROSORB-Perlen lässt sich der Messfühler
- versehen mit einer Sintermetall-Staubschutzkappe - auch
direkt in die Perlen stecken. Hierdurch verkürzt sich
die Messzeit erheblich.
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Zum Nach-
oder Umkonditionieren werden PROSORB-Perlen oder
Kassetten am einfachsten in einen Raum gebracht, in
dem das gewünschte Klima herrscht oder - sofern
vorhanden - auch in eine Klimakammer. Es kann u.U. mehrere
Wochen dauern, bis sich z.B. große Kassetten oder
dicke Schichten Granulat genau auf das Raumklima eingestellt
haben. Selbstverständlich können Sie das PROSORB-Material
zum Trocknen in einen sehr trockenen Raum oder zum Befeuchten
in einen sehr feuchten Raum geben und es dann rechtzeitig
wieder herausnehmen.
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Um sicher zu gehen, dass das PROSORB-Material
richtig konditioniert ist, sollten Sie die Perlen gut durchmischen
und den Konditionierungswert 1 Tag nach dem Befeuchten oder
Trocknen mit einem genauen Hygrometer überprüfen
(s.o).
Bei PROSORB-Kassetten
ist das Nachkonditionieren auch nach Gewicht möglich,
denn: auf das ursprüngliche, auf der Kassette angegebene
Gewicht gebracht, weisen sie in
der ersten Zeit auch wieder den ursprünglichen
Konditionierungswert auf. Leider ist jedoch auch PROSORB nicht
unvergänglich: Es hat sich gezeigt, dass sich der Konditionierungswert
von Kassetten bei gleichem Gewicht nach einigen Jahren spürbar
nach oben verschiebt, typischerweise 1% rF im Jahr. Essigsäuredämpfe,
wie sie z.B. in Vitrinen mit Holzeinbauten oder Holzexponaten
immer vorhanden sind, beschleunigen die Zersetzung aller Silikagele.
Bei älteren Kassetten muss daher die Konditionierung
mit einem Hygrometer überprüft werden.
Trocknen
von Kassetten:
Zeigt sich eine Kassette schwerer als das
ursprüngliche Gewicht, bzw. zu feucht, muss sie wieder
heruntergetrocknet werden. Das Trocknen der Kassette kann
auf verschiedene Arten erfolgen:
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- durch Auslegen in einem trockenen
Raum oder durch leichte Erwärmung auf einem Heizkörper,
in der Sonne oder im (Umluft-) Backofen, wobei die
Temperatur 65°C nicht überschreiten darf.
Es ist davon auszugehen, dass die Eigenschaften von
PROSORB am besten erhalten bleiben, wenn das Trocknen
ohne starke Hitzeeinwirkung erfolgt. Je nach den Gegebenheiten
kann die benötigte Zeitdauer sehr unterschiedlich
sein. Auch können die Kassetten mit dieser Methode
nicht unbegrenzt trocken konditioniert werden. Bei
diesem Verfahren muss immer der richtige Moment abgepasst
werden, an dem die Kassette das richtige Gewicht besitzt,
was sich in der Praxis als unbequem erweist. Oft ist
daher die nächste Methode anzuraten:
- durch Trocknen mithilfe von trockenen
Trockenmittelbeuteln. Hierzu wird die Kassette zusammen
mit einer ausreichenden Menge Trockenmittelbeuteln
in einen Folienbeutel verschlossen, bis das Gewicht
der Kassette den gewünschten Wert erreicht hat.
Ein 35 g-Beutel DESI PAK mit den Maßen 100 x
65 x 10 mm nimmt zwischen 0% rF und 40% rF etwa 6
g Wasserdampf auf. Hiermit lässt sich die Kassette
dosiert und schonend heruntertrocknen. Wiegen Sie
die PROSORB Kassetten unbedingt nach. Diese Trockenmittelbeutel
sind sehr preisgünstig und lassen sich im Ofen
bei 130°C viele Male regenerieren.
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Anstatt die Kassetten außerhalb der
Vitrine zu trocknen, ist auch denkbar, kleine DESI-Pak Trockenmittelbeutel
in das Vitrinenfach direkt neben oder unter die PROSORB-Kassetten
zu legen. Hierfür sind Beutel mit 35 g oder 70 g Inhalt
zu empfehlen. Dieses Verfahren erfordert etwas Sorgfalt, damit
die rF in der Vitrine nicht zu schnell und zu weit absinkt
(also nicht zu viele Beutel gleichzeitig einlegen, nicht oben
auf die Kassetten legen!).
Befeuchten von PROSORB-Kassetten
und -Perlen:
Perlen oder Kassetten dürfen nicht
durch Besprühen mit destilliertem Wasser befeuchtet werden,
da hierbei die Perlen zerplatzen. Die Befeuchtung darf nur
durch feuchte Luft geschehen, durch Auslegen in einem feuchten
Raum oder berührungsloses Überdecken mit feuchten
Tüchern. Mischen Sie die Perlen nach dem Befeuchten gut
durch. Beim Befeuchten wird etwas Wärme frei.
Bei Kassetten gehen Sie wie folgt vor:
- Geben Sie jeweils eine PROSORB-Kassette
in einen Folienbeutel
- Geben Sie die benötigte Menge
destilliertes Wasser in den Folienbeutel zu, indem
Sie z.B. ein Papiertuch auf die Kassette legen, dieses
mit der entsprechenden Wassermenge befeuchten und
dann alles zusammen in den Folienbeutel geben.
- Verschließen Sie den Beutel
und warten Sie, bis die PROSORB-Kassette das Wasser
vollkommen aufgenommen hat.
- Wiegen Sie die PROSORB-Kassette
zur Sicherheit nach. Stimmt das Gewicht mit dem aufgedruckten
Gewicht überein, ist die PROSORB-Kassette wieder
auf den aufgedruckten Wert konditioniert. Zur Überprüfung
der Konditionierung mischen Sie die Perlen in der
Kassette gut durch, indem Sie Kassette viele Male
langsam wenden oder warten Sie einige Tage, bis sich
die Feuchtigkeit in der Kassette homogen verteilt
hat. Dann verschließen Sie eine PROSORB-Kassette
zusammen mit einem genauen Hygrometer in einen Polyethylenbeutel
(s.o) und lesen nach ca. 2 Stunden den Messwert ab.
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Vorsichtsmassnahmen:
Das durch PROSORB adsorbierte Wasser liegt
auf der Oberfläche der Granulatkörnchen in flüssiger
Form vor und kann daher z.B. bei Eisen und Zink bei direktem
Kontakt zu Korrosion führen. PROSORB sollte auch generell
nicht in direkte Berührung mit den Kunstwerken gebracht
werden. Desgleichen gilt auch für Stäube, wie sie
beim Schütten der Perlen entstehen. Versuchen Sie daher,
durch vorsichtige Handhabung Stäube zu vermeiden und
halten Sie sie von Kunstwerken fern. Fassen Sie nicht abwechselnd
PROSORB und Kunstwerke an, da hierdurch Stäube übertragen
werden.
Tragen Sie beim Schütten von losem PROSORB eine Staubmaske.
PROSORB-Staub trocknet die Haut aus. Waschen Sie Ihre Hände
nach Berührung mit PROSORB mit Seife ab oder tragen Sie
beim Umgang mit losem PROSORBHandschuhe.
Literaturhinweise:
- Kamba, Nobuyuki: Measurement
of the Dimensional Change of Wood in a Climate Case,
ICOM Committee for Conservation, 10. Triennal Meeting
1993, Washington, p. 406-409.
- Padfield, Tim: An Introduction
to the Physics of the Museum Environment (online).
- Toishi, Kenzo: A note on the
movement of moisture between the components in a sealed
package, Studies in Conservation 39, 1994, p. 265-271.
- Michalski, Stefan: Leakage prediction
for buildings, cases, bags and bottles, Studies in
Conservation 39, Nr. 3, 1994, p. 169-186.
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